L-Theanin ist eine natürlich vorkommende Aminosäure, die vor allem aus grünem Tee bekannt ist. In der Forschung wird untersucht, welche Rolle L-Theanin unter anderem für Entspannung, Konzentration und das allgemeine Wohlbefinden spielen könnte. In diesem Artikel erfährst du, was L-Theanin ist, wo es vorkommt und welche Ergebnisse bisherige Studien zeigen.
Was ist L-Theanin?
L-Theanin ist eine natürliche Aminosäure, die vor allem in den Blättern der Teepflanze (*Camellia sinensis*) vorkommt und damit insbesondere aus grünem Tee bekannt ist. In den vergangenen Jahren hat die Substanz zunehmend wissenschaftliches Interesse geweckt, da zahlreiche Studien untersucht haben, welche Rolle L-Theanin für verschiedene physiologische Prozesse spielen könnte.
Eine Besonderheit von L-Theanin ist, dass es die Blut-Hirn-Schranke überwinden kann. Dadurch steht die Aminosäure im Fokus der Forschung, wenn es um mögliche Zusammenhänge mit Neurotransmittern und der Aktivität bestimmter Gehirnwellen geht. Insbesondere die sogenannte Alpha-Gehirnwellenaktivität wird in wissenschaftlichen Arbeiten häufig untersucht, da sie unter anderem mit einem Zustand entspannter Wachheit in Verbindung gebracht wird.
Chemisch betrachtet weist L-Theanin strukturelle Ähnlichkeiten zur Aminosäure Glutaminsäure auf, die als Neurotransmitter im Nervensystem eine wichtige Rolle spielt. Forschende diskutieren, ob diese Ähnlichkeit zu den beobachteten Effekten beitragen könnte. Obwohl viele Fragestellungen rund um L-Theanin bereits untersucht wurden, ist die wissenschaftliche Forschung weiterhin aktiv und beschäftigt sich mit den möglichen Eigenschaften und Funktionen dieser besonderen Aminosäure.
Wo kommt L-Theanin natürlich vor?
Wie bereits erwähnt, ist L-Theanin vor allem in grünem Tee enthalten, aber auch in kleineren Mengen in anderen Teesorten und sogar in einigen Pilzarten.
Tabelle 1: Der durchschnittliche Molekül-Gehalt diverser Teesorten wurde in einer ungarischen Publikation analysiert.
| Teesorte | L-Theanin-Gehalt |
| Grüner Tee | 6,56 mg/g |
| Weißer Tee | 6,26 mg/g |
| Oolong-Tee | 6,09 mg/g |
| Schwarzer Tee | 5,13 mg/g |
Wissenswert: Der L-Theanin-Gehalt variiert von Tee zu Tee enorm. Während ein koreanischer grüner Tee 10,93 mg/g enthielt, hatte ein grüner, chinesischer Sencha-Tee lediglich 2,65 mg/g. Das ist einer der Gründe, warum viele Menschen es bevorzugen, das Molekül in Form eines Nahrungsergänzungsmittels zu konsumieren.
Welche Wirkung von L-Theanin wird in Studien untersucht?
In den vergangenen Jahren wurde L-Theanin in zahlreichen wissenschaftlichen Studien untersucht. Dabei standen unter anderem mögliche Zusammenhänge mit Entspannung, kognitiven Funktionen und dem Immunsystem im Fokus der Forschung.
L-Theanin und Entspannung
Mehrere wissenschaftliche Studien haben untersucht, ob L-Theanin die Alpha-Gehirnwellenaktivität beeinflussen kann. Diese Gehirnwellen werden häufig mit einem Zustand entspannter Wachheit in Verbindung gebracht. Darüber hinaus wurden die Auswirkungen von L-Theanin auf Stress und Angstwahrnehmung untersucht.
In einer Analyse von fünf kontrollierten Studien mit insgesamt 104 Teilnehmern berichteten die Autoren, dass vier der eingeschlossenen Studien Zusammenhänge zwischen einer täglichen Einnahme von 200 bis 400 mg L-Theanin und einer geringeren Stress- beziehungsweise Angstwahrnehmung beobachteten.
L-Theanin der kognitive Funktionen
Auch mögliche Zusammenhänge zwischen L-Theanin und kognitiven Funktionen wurden in wissenschaftlichen Studien untersucht. Besonders häufig stehen dabei Aufmerksamkeit, Konzentration und Arbeitsgedächtnis im Mittelpunkt der Forschung.
In einer doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten Forschungsarbeit (höchste Evidenz) wurden die Auswirkungen von dem Vitalstoff auf die kognitiven Funktionen gesunder Erwachsener zwischen 50 und 69 Jahren untersucht. Es wurde beobachtet, dass eine einmalige Gabe von L-Theanin die Aufmerksamkeit und das Arbeitsgedächtnis verbesserte, was darauf hindeutet, dass es L-Theanin im Zusammenhang mit einer Verbesserung der allgemeinen kognitiven Fähigkeiten stehen könnte.
L-Theanin und das Immunsystem
Es gibt außerdem Hinweise darauf, dass L-Theanin im Zusammenhang mit dem Immunsystem stehen könnte. Mögliche Erklärungen beziehen sich dabei auf die Produktion von Antikörpern und anderen Immunzellen. Eine Forschungsarbeit deuten beispielsweise daraufhin, dass das Molekül zur Verringerung von Infektionen der oberen Atemwege beitragen könnte.
Bei einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie mit 200 Angestellten des Gesundheitswesens, wurde untersucht, ob Katechine und Theanin aus grünem Tee eine Grippeinfektion verhindern können. Die Probanden schluckten 6 Kapseln pro Tag, die insgesamt 378 mg Catechine (davon 270 mg EGCG) und 210 mg Theanin enthielten. Die Ergebnisse zeigten, dass die Häufigkeit von Grippeinfektionen in der Gruppe, die Catechin-/Theanin-Kapseln einnahm, deutlich geringer war als in der Placebogruppe, was darauf hindeutet, dass Grüntee-Catechine und Theanin zur Vorbeugung einer Grippeinfektion beitragen können.
L-Theanin im Überblick
L-Theanin ist eine natürlich vorkommende Aminosäure, die vor allem aus grünem Tee bekannt ist. In den vergangenen Jahren wurde sie in zahlreichen wissenschaftlichen Studien untersucht, insbesondere im Zusammenhang mit Entspannung, kognitiven Funktionen und weiteren physiologischen Prozessen. Obwohl einige Forschungsergebnisse vielversprechend erscheinen, sind weitere Studien erforderlich, um die bisherigen Erkenntnisse besser einordnen zu können. Wer L-Theanin über die Ernährung aufnehmen möchte, findet es vor allem in verschiedenen Teesorten, wobei die Gehalte je nach Herkunft und Verarbeitung deutlich variieren können.
